Stimmungswechsel

Erfreut blicke ich auf ein schönes Bibel-Clowns-Treffen zurück. Eine Gruppe aus sieben Bibel-Clowns aus Recklinghausen, Sprockhövel, Wuppertal und Velbert (und einer interessierten Zuschauerin) ist gestern zusammengekommen. Thema des Nachmittags waren „Stimmungswechsel“, die immer mal wieder ganz plötzlich eintreten können. Schon schnell haben wir in einer Partnerübung erfahren, wie gut es tut, wenn einer da ist, der durch sein Verhalten spüren lässt: „Ich empfinde genauso wie du!“ Die Übung bestand darin, sich von der Stimmung des Partners anstecken zu lassen – auch dann wenn beim Partner auf einmal eine andere Stimmung spürbar wird. Das Motto war also nicht ein „mechanisches Nachäffen“, sondern ein „Angleichen an die Stimmung des anderen“.

Dass Stimmung auch viel mit Stimme zu tun hat, wurde noch mal neu klar: Anderen Anteil geben an meiner Stimmung, gelingt besser, wenn meine Atmung für andere hörbar ist und ich mich nicht scheue, auch andere Laute von mir zu geben. Nachdem wir gemerkt haben, wie auch die Art unserer Bewegungen (eckig, rund oder hibbelig) unsere Stimmung beeinflusst, kam es gleich zum ersten Bühnenauftritt: Paarweise haben die Clowns sich an den Strand begeben, sich gemeinsam dort über die Sonne gefreut, über den Regen geärgert, sich lustvoll den Wellen überlassen und der plötzlichen Gefahr eines Haifisches getrotzt oder unfassbar wunderschöne Muscheln gefunden… Zum Ausklang haben wir uns genussvoll den Stimmungswechseln hingegeben, die verschiedene Musikarten in uns hervorrufen.

Auch die Pause war wieder ein Höhepunkt. Ein wichtiger Beitrag dazu war der Apfelkuchen von Doro, der tagesfrisch gepflückte Äpfel enthielt. Somit lernten wir: Auch Apfelkuchen kann die Stimmung heben! Nach der Pause stellten wir uns der Aufgabe: Stell dir vor, du stehst morgens auf und bist ein „B“ – oder ein „T“ – oder ein (scharfes) „S“. Was heißt es, wie ein „B“ auszusehen, wie ein „B“ Geräusche zu machen, sich zu bewegen, anderen zu begegnen?

In einer zweiten Partnerübung ließen wir uns vom Satz leiten: „Du bist der Grund, warum ich so mache, wie ich mache.“ (Also: Wenn du so machst, dann mache ich so…) Worauf der erste Partner seine Handlung wiederholt nach dem Motto: „Wenn du so machst, mache ich erst recht so…“ Und schon entsteht die Wiederholung und damit Steigerung einer Bestätigung oder einer Spannung. Solches Verhalten ist im wirklichen Leben meistens nicht sehr hilfreich, im Clownsspiel aber sehr unterhaltsam wie wir beim zweiten Bühnenauftritt erleben durften. Gut ist es, wenn wir uns im Hinblick auf das Clownsspiel merken: Wiederholung ist super!

Natürlich kann unsere Stimmung auch dadurch beeinflusst werden, was wir in Händen haben. In den Händen eines Clowns wird ein Blättchen Klopapier nun mal schnell zu einem einzigartig kostbaren Gegenstand, den man auch gerne zum einem anderen kostbaren Gegenstand tauschen kann… Und auch ohne Gegenstand in unseren Händen erlebten wir, wie unsere Einbildung uns mit unseren Händen zu Akteuren machte, die konzentriert, erfreut, belastet usw. ihren Tätigkeiten nachgingen.

Unser letzter Bühnenauftritt führte in neuen Paarkonstellationen in die Alpen. Dort gab es spannende Stimmungswechsel durch einen Kuhfladen in großer Höhe; und eine gemeinsam per Lasso eingefangene Kuh; aufwändig befestigte Rucksäcke; und ein Kletterseil, das mehr als fachgerecht verknotet wurde; und einen Gleitflug herunter von einem schmalen Weg in 5.000 Metern Höhe…

Was es heißt, Freunde zu sein, seinen Atem freien Lauf zu lassen, nicht zwanghaft kreativ sein zu müssen, sondern sich schlicht auf den Partner und die aktuelle Situation und den ersten Einfall einzulassen – dazu gab es auch wieder unterstützende Worte aus der Bibel und natürlich auch wieder die Erinnerung daran, dass jeder Clown einzigartig wertvoll ist.

Marco

Advertisements